Glas, Gummi und Papier

Dieter Loechle (Foto: Martin Frech) Am Anfang war das Wort … oder? Sprachen waren immer wichtig, die eigene, — Deutsch für Fortgeschrittene — Englisch und Französisch wie entfernte Geschwister, zu denen man „hinüber“ gehen kann ins vordergründig fremde.
Zeichnen, wie ein vom Buchstaben losgelöstes Schreiben? Jedenfalls: Skizzenbücher meterweise, wo Zeichnen und Schreiben, aus einer Wurzel kommend, symbiotisch nebeneinander stehen; sie sind Übungsraum, leichthändiges Experimentierfeld und Gedankenprotokoll: die gefühlte Rauheit des Papiers, die Reibung des Stifts in der Hand die ihn führt. Rhythmus von Schraffur und Richtungsänderung der linearen Bewegung sind sinnliche Entsprechungen der fortlaufenden geistigen Bewegung.

Auf Papier gedruckt zeigten sich auch die ersten Spuren eines Druckverfahrens, dass sich mir vor gut zwei Jahrzehnten erschloss: im Blick auf einen Lastwagenschlauch, der platt auf der Wiese lag, und prägend für das weitere wurde: „Think of BLACK and BLACK will think for you“ … Zeichnen auf schwarzem Gummi, dann der Griff zur Schere, zum Messer. Schließlich der Druck.
Schneiden ist entschiedeneres Zeichnen, aus der Spur der Linie wird Fläche, treten silhouettenhaft Figuren. Sie reihen sich wie Akteure zu einer Ansammlung spielbarer Möglichkeiten. Der Gummi wird körperhafte Oberfläche, schwarze Haut und handgreifliches Relief in einem.
Glas tritt demgegenüber als lichte Entgegensetzung auf: Dem Opaken, der robusten und weichen Fügsamkeit des Gummis tritt kristalline Härte und Transparenz und hohe Fragilität gegenüber. Und — in den geblasenen Walzen eine aus der Sandstrahlung erwachsende, fließende Räumlichkeit.