Generations: Warships into Friendships
Works by artists Dieter Löchle and Gavin Mayhew
Saturday 12th July to Saturday 30th August 2014

Hartlepool Art Gallery, Church Square, Hartlepool, TS24 7EQ

Open Tuesday — Saturday, 10am — 5pm.
Closed Sundays, Mondays & Bank Holidays.

This is a joint exhibition of English artist Gavin Mayhew and German artist Dieter Löchle, as part of a wider programme that is taking place in Hartlepool to commemorate the First World War.
For two decades the artists have exhibited together and they can be seen as a symbol of a special relationship that has developed between the two countries.

Warships into Friendships: Works by Dieter Löchle and Gavin Mayhew (Hartlepool Art Gallery)

am 11. Juli 2014 wird in der Hartlepool Art Gallery die große gemeinsame Ausstellung von Gavin Mayhew und Dieter Löchle eröffnet.

Hartlepool Art Gallery (Foto: Dieter Löchle)
Hartlepool Art Gallery (Foto: Dieter Löchle)

Hartlepool Art Gallery (Foto: Dieter Löchle)
Hartlepool Art Gallery (Foto: Dieter Löchle)

Anlaß ist das Reconciliation Festival, das Hartlepool hundert Jahre nach dem schweren Bombardement der Stadt durch deutsche Kriegsschiffe begeht.

Dieter Löchle: good ships -- bad ships

Gewürdigt wird damit eine besondere Künstlerfreundschaft und Zusammenarbeit, die vor 23 Jahren über die Partnerstadt Beziehungen von County Durham und Tübingen ins Leben gerufen wurden. Neben zahlreichen gemeinsamen Ausstellungen, zuletzt in Brüssel und in Tübingen, wuchs auch eine herzliche Freundschaft zwischen beiden Familien mit regelmäßig wiederkehrenden Besuchen in beide Richtungen.

Dieter ist gerade von einem zweiwöchigen Vorbereitungsaufenthalt in Hartlepool zurück und konkretisiert nun in Tübingen die nächsten Schritte.

Sein Ziel ist es, an seinem Heimatort ein Spiegelbild dieser Kunstbewegung entstehen zu lassen: Am 1. August gedenkt die Stadt Tübingen in der Thiepval-Kaserne der Kriegserklärung. Dieters Installation “Stray Balls” — “Verirrte Kugeln” ist der Doppelgänger der gleichnamigen Installation vor der ehemaligen Christ Church in Hartlepool.

Dieter Löchle: Stray Balls -- Verirrte Kugeln (Foto: Martin Frech)
Dieter Löchle: Stray Balls — Verirrte Kugeln (Foto: Martin Frech)

 
 


(Ich weiß, die Werbung hier unten nervt. Und ich kann nicht einmal entscheiden, was hier gezeigt wird.)

am 30. November eröffnete im Hotel La Casa die Ausstellung Glad Day.
Präsentiert werden Originale des 2014er Dieter-Löchle-Kalenders.

Viele kamen …

Dieter Löchle: Glad Day; Eröffnung der Ausstellung
Dieter Löchle: Glad Day; Eröffnung der Ausstellung
Dieter Löchle: Glad Day; Eröffnung der Ausstellung
Dieter Löchle: Glad Day; Eröffnung der Ausstellung
Dieter Löchle: Glad Day; Eröffnung der Ausstellung
Dieter Löchle: Glad Day; Eröffnung der Ausstellung
alle Fotos: © Martin Frech

Im folgenden die Eröffnungsrede von Prof. Dr. Susanne Marschall (Universität Tübingen).

Liebe Gäste, liebe Freunde, liebe Kunstliebhaber,

dies ist ein wahrlich froher Tag, denn ich habe heute die Ehre eine Ausstellung zu eröffnen, die das Leben in seinen positiven Facetten auf besondere Weise feiert. Hinter den Bildern hier im Raum, zwei davon im Wand füllenden, großen Format, steht Dieter Löchle, ein Künstler, dessen Werke an vielen Orten in Tübingen, in und an Häusern, in Ausstellungen und als Teil von Performance-Kunst zu finden sind. Im letzten Jahr inszenierte er zum Beispiel mit Tänzern und Choreographen eine 24stündige Performance mit dem Titel „Double you Be“ in Hommage an den englischen Poeten William Blake.

Dieter Löchles Werke reisen aber auch in die Ferne, waren oder sind in Brüssel, Paris, Malta oder demnächst in England zu sehen. In Tübingen lädt er regelmäßig zu Vernissagen in seinem Atelier im alten Milchwerk ein, in dem täglich neue Ideen, Bilder und Objekte entstehen. Diese sind immer unverwechselbar. Glasobjekte zum Beispiel, die in einem komplizierten Verfahren entstehen und deren zarte Motive durch Sandstrahl in das Glas gekratzt werden müssen. Material und Handwerk bilden nicht nur in diesem Fall ein wichtiges Gespann in der Kunst Dieter Löchles. Darum gilt: Wer schon einmal Dieter Löchles Kunst gesehen hat, wird bei aller Variationsfähigkeit auch an neuen Werken diese Handschrift sofort erkennen. Von zentraler Bedeutung ist sein Umgang mit ungewöhnlichen Materialien, mit Gummi und Schere, mit Plexiglas und Glas. Doch dazu etwas später mehr.

Gestatten Sie mir zunächst eine kurze Reflexion über das Thema der aktuellen Ausstellung, das – glaubt man den Medien, dem Buchhandel und dem florierenden Esoterik-Markt – zu den Topthemen des 21. Jahrhunderts gehört. Denn der „frohe Tag“ hat etwas zu tun mit dem begehrten Hochgefühl des Glücks, das sich uns zu selten schenkt. Vor einer Woche feierte das Fernsehen, genauer die ARD, eine Themenwoche „Zum Glück“ und präsentierte das Glücklichsein als erlernbar – man konnte einen Glücksrezept-Block gewinnen, bei einem Glücklich-Mach-Chat mitschwätzen, und – wie sollte es auch anders sein – Eckart von Hirschhausen zelebrierte eine Show voll von Überraschungen und Glücksmomenten, selbstverständlich immer gewürzt mit objektiven Statistiken. Wir wissen nun, dass Kinder glücklicher sind als Erwachsene, das man mit und ohne Sex glücklich sein kann, dass Singen glücklich macht und das Glück ohne Mindesteinkommen nur selten eintritt. Die Medien rühren in diesem bunten Topf der Glücksrezepte sehr gerne herum, beliefern die Glücklichen, die Unglücklichen und die große Masse der gemischten Charaktere mit allerlei Tipps und Tricks. Die Botschaft heißt, Glück ist „machbar“, sei darum gefälligst Deines Glückes fleißiger Schmied. Leise Zweifel dürfen hier durchaus laut ausgesprochen werden: Denn das Glück ist so flüchtig und ungreifbar, wie der Romantiker Heinrich Heine einst zu reimen wusste: Das Glück ist eine leichte Dirne Und weilt nicht gern am selben Ort; Sie streicht das Haar dir von der Stirne, Und küßt dich rasch und flattert fort. Frau Unglück hat im Gegenteile Dich liebefest ans Herz gedrückt; Sie sagt, sie habe keine Eile, Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.

Um die leichte Dirne, das flüchtige Glück drehen sich auch die meisten Bilder hier im Raum. Aber Dieter Löchle geht das große Thema des Glücks bescheidener und ohne Rezeptblock in der Hand an. Seine Bilder halten sich an das wirklich Erfahrene und verdichten es in der offenen Dimension des Imaginären, das keine Abbilder benötigt, um Zeichen zu setzen. Die Figuren lösen sich genauso aus den Zwängen dieser Welt wie die leichten Farben und Formen, die für sich selbst stehen dürfen – offen, ohne konkreten Gegenstand. Dennoch hat jedes der Bilder ein erkennbares Thema, ist verständlich, erinnert uns an kostbare eigene Momente, in denen man einfach einmal die Arme scheinbar grundlos in den Himmel streckt oder die Zeit vertrauter Zweisamkeit auf einer Schaukel verfliegen lässt. Es geht in den meisten der Bilder, die wir hier sehen dürfen, einfach nur um die Szenen, aus denen ein „froher Tag“ bestehen könnte.

Im Vorfeld hat der Maler Freunde und Bekannte befragt, was sie persönlich unter einem frohen Tag verstehen. Was macht einen gelungenen Tag aus? Der Flow gern getaner Arbeit oder das schöne Nichts des Müßiggangs? Die freudige Erregung über das eigene sommerliche Sein oder die sanfte Melancholie der trüben Novembertage, die uns aktuell umgibt? Freunde treffen, in der Natur sein, schwimmen, lieben, fliegen … Vieles ist denkbar und manche der gegebenen Antworten kann man im Übrigen auch nicht öffentlich zitieren. Aus dem Nachdenken und Sprechen über den „frohen Tag“ sind dann diese zwölf Kalenderbilder entstanden, in denen jedes Motiv in ein Spannungsverhältnis zu einer Textzeile gebracht wird. Wenn wir alle zwölf Kalenderblätter auf einmal betrachten, fällt auf, dass zu Dieter Löchles Vision eines frohen Tages fast immer zwei oder einmal auch drei Figuren gehören.

Frohe Tage nach seiner Facon sind durchzogen von den Momenten des Sich-auf-einander-Beziehens, Begegnungen werden durch Berührungen lebendig, die Figuren zeigen sich intim und vertraut. Die meisten Bilder, die hier zu sehen sind, drehen sich um Zweisamkeit, um Gemeinsamkeit, um geteilte Erlebnisse und vor allem um die Liebe. Manchmal gibt sie sich nur zart und in Andeutungen zu erkennen, manchmal wirbelt sie wie auf einem Spielplatz herum, meistens hat sie eine unverkrampfte, physische Komponente, immer gipfelt sie in den Blicken, die sich nicht voneinander lösen wollen. Und nicht nur die Figuren in den Bildern stehen in einem permanenten Dialog, auch die Bilder selbst treten im Reigen auf, gehören zueinander.

Dieter Löchle wird in seinen Bildfolgen zu einem Geschichtenerzähler, dessen Hauptdarsteller androgyne Vogelwesen sind, denen etwas Mythisches, Anarchisches und zugleich Kindliches anhaftet. Seine Vogelmenschen haben offensichtlich viel Humor und Witz. Sie greifen mit ihren langen Flügelarmen nach der Welt oder nach einander und scheinen zugleich bessere Läufer als Flieger zu sein. Aus schwarzem Gummi geschnitten, stanzen sie schwarze, weiße, graue Silhouetten in die offenen Landschaften, die Dieter Löchle auf Plexiglas malt. Dessen Transparenz verwandelt die hellen Blau-, Grün-, Orange und Rosatöne in Lichtfarben, so dass durch das Zusammenspiel der beiden Materialien Gummi und Plexiglas die Zeit des Tages, der tägliche Wandel der Welt in den Bildern zur Erscheinung gebracht wird. Das Material gewährt der äußeren Realität in der Kunst eine Bühne, einen Ort – dessen Offenheit umspielt die Figuren.

Eine besondere Spannung besitzt das Deckblatt des Kalenders, das den Titel trägt „Without contraries there is no progression“ und zwei wandernde Vogelwesen bei dem Kunststück beobachtet, Gleichgewicht und Bewegung in Harmonie zu bringen. Das fein abgestimmte Sich-in-Beziehung-Setzen, bedarf der Virtuosität – es hat etwas mit Balance und Aufmerksamkeit zu tun. Wie Yin und Yang verbinden sich die beiden Läufer zu einem Bild der Ganzheit, fast wie ein Mandala, das zur Kontemplation des Blicks gedacht ist. Das Bild bewegt sich auf ein Zentrum zu, auf die aufeinander bezogenen Schnabelgesichter. Wir drehen uns im Kreise mit. Die Erdkugel ist zugleich ein Ball, der durch die Bewegung der Figuren auf einer Schräge gehalten wird. Balance ist stets prekär, sie zu halten ein sensibler Akt. Das Bild, das den Ton des Kalenders angibt, bringt die Aufgabe auf den Punkt, der sich die heutige Weltgemeinschaft zu stellen hat. Um das Ziel des „frohen Tages“ für viele Menschen zu erreichen, bedarf es der Kommunikation, der Aufmerksamkeit für den, die und das Andere, der Toleranz und der aufeinander abgestimmten, gemeinsamen Bewegung.

Zu den Qualitäten von Dieter Löchles Grundfigur des Vogelwesens gehört, das es sich immer wieder mit anarchischer Frechheit zwischen die Stühle von Mensch und Tier und von Mann und Frau setzt und im Ungefähren, in einem fröhlichen „in between“ zu Hause ist. Der Natur entsprungen, nutzen diese Hauptdarsteller in Dieter Löchles Vision die Errungenschaften der Zivilisation. Regenschirm, Boot und Auto werden zu Accessoires des Müßiggangs, in dem das Glück des Augenblicks die Zeit dehnt. Immer in Bewegung schreiten die Vogelwesen an der Seite dieses von Heinrich Heine so leichtlebig empfundenen Glücks einfach weiter, turnen gelenkig durch eine Bilderwelt, die sich bei näherer Betrachtung zu einem Film formiert. Dessen „frohe“ Momentaufnahmen projizieren das Szenische, das Davor und Danach des Jetzt, auf unsere imaginäre Leinwand.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zwischen dem malerischen und dem lyrischen Moment in Dieter Löchles Arbeiten, die aus einer lebenslangen inneren Korrespondenz mit dem englischen Dichter William Blake Kraft schöpfen und häufig als direkte Antworten auf dessen Texte gedacht sind. Neben den Bewohnern zweier Welten, den Vogelwesen, wandern auch eindeutigere Tiere – Elefanten, Hirsche, Löwen, Böcke, Ziegen und Fische durch die Vielfalt der Bilder des Tierfreundes Dieter Löchle, der es liebt, am Morgen in seinem Garten mit Vögeln und Blindschleichen Zwiesprache zu halten. Diese wiederum akzeptieren ihn, der ein menschengroßes Vogelnest am Neckar sein Eigen nennt, zumindest als einen, der ihnen nichts zuleide tut. Zu den künstlerisch bevorzugten Lieblingstieren zählen auch die Goldfische, die Dieter Löchle mit Pinsel und Schere aus den kafkaesken Goldfischgläsern dieser Welt befreit. Goldfische und Pyramiden finden hier in den beiden großen Werken zu surrealen Kompositionen zusammen, geben sich gegenseitig Raum und Luft. Das Lebendige hallt in den steinernen Gräbern des Orients wieder, dessen kantig-geometrische Architektur setzt dafür einen Kontrapunkt zu den weichen Formen der fliegenden Fische, die den Himmel erobern. Als Geschichtenerzähler liebt Dieter Löchle den Dialog zwischen seinen Figuren, als Schöpfer neuer Räume beschäftigen ihn Atmosphäre und Stimmung ebenso wie die Möglichkeiten der Bewegung im Raum, dessen Weiten, aber auch seine Grenzen, die seine Vogelwesen im Übrigen selten akzeptieren. Die Palette des Bildes hier vorne kontrastiert Schwarz und Grautöne mit leuchtendem Rosa, Orange und Blautönen. Dieses Bild, das in dem Hotel „La Casa“ sein dauerhaftes Zuhause gefunden hat, spielt mit den Formen des Steinernen wie des Organischen ein besonderes Spiel, weil seine Farben und Formen weniger den realen Eindruck einer orientalischen Szenerie hervorrufen, als vielmehr eine imaginäre Gravur prägen, aus den Tagträumen entsprungen, die sich den Ordnungssystemen des Realen widersetzen dürfen.

“Eine Insel mit zwei Bergen und ein riesenblaues Meer”?

Nicht ganz — eigentlich darf ich nur umziehen.
– innerhalb Tübingens –
statt Rührwerk Rappstraße Weststadt
Hotel La Casa Südstadt!
Immerhin Richtung Süden,
und die Vorstellungskraft reist ja sowieso mit — und ein paar Bilder — Gefährten auch — aber darüber demnächst.
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Dieter Loechle: Elefant (2013)
Dieter Loechle: Elefant (2013)

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